Zum Inhalt springen

„Was weiß ich?“ – Erkundung dessen, was sich stabil anfühlt

Thema: Schule & Arbeit

Emotionale Intensität: Niedrig

Format: Kernübung

Quelle / Autor: Durch Praxis und Tests angepasst von Anastasiia Romancha (Psychologin, Moderatorin) und Valentyna Peliukhnia (Zentrum für Resilienz, NGO SvitTy, Ukraine). Ursprünglich entwickelt im Rahmen einer auf Storytelling basierenden Resilienzarbeit mit Jugendlichen.


Thema

Schule & Arbeit

Ebenfalls relevant für

Resilienz; Psychische Gesundheit & Wohlbefinden; Selbstwahrnehmung

Ziel (Lernschwerpunkt)

Junge Menschen dabei zu unterstützen, durch Metaphern und Geschichtenerzählen innere Ressourcen und Quellen der Stabilität zu erkennen und so ihre Resilienz und ihr Selbstvertrauen in Zeiten der Unsicherheit zu stärken.

Zielgruppe

Jugendliche (16–35), einschließlich junger Menschen, die von Vertreibung oder gesellschaftlichem Wandel betroffen sind

Gruppengröße

6–20 Teilnehmer*innen

Dauer

60–90 Minuten

Benötigte Materialien

  • A4-Papier oder Notizbücher

  • Stifte, Filzstifte, Buntstifte

  • Flipchart oder Tafel

  • Optional: Vorlagen in Ankerform, Aufkleber, Hintergrundmusik

  • Optional: zweisprachige Unterstützung oder ein ruhiger Rückzugsraum


Schritt-für-Schritt-Anleitung:

1. Begrüßung & Vereinbarungen (10–15 Min.)
Schaffen Sie eine herzliche und entspannte Atmosphäre. Erklären Sie, dass der Schwerpunkt der Sitzung auf Stärke und Stabilität liegt, nicht auf Problemen oder Traumata. Legen Sie einfache Vereinbarungen fest:

  • Das Teilen von Erfahrungen ist immer freiwillig

  • Jeder ist die/der Experte*in seiner/ihrer eigenen Geschichte

  • Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten

  • Metaphern helfen uns, sanft über schwierige Dinge zu sprechen

Optionaler leichter Eisbrecher (in dieser Phase noch keine vertiefende Reflexions-oder Erdungsübung).

Möglichkeiten sind unter anderem:

  • Zwei Wahrheiten und eine Lüge

  • Der Wind weht für diejenigen, die…

  • Austausch von Fakten (die Teilnehmer*innen kleben Aufkleber mit Buchstaben ihres Namens auf eine Hand und sammeln die Buchstaben ihres eigenen Namens von anderen; einen Buchstaben erhält man nur, wenn man eine persönliche Tatsache preisgibt).


2. Mini-Vortrag: Ressourcen & Lichtblicke (5–10 Min.)
Stellen Sie die Metapher vor:

„Wenn sich vieles verändert, brauchen wir etwas, das uns hilft, Halt zu bewahren. Das kann man als Ressource, Lichtblick oder Anker bezeichnen – eine Erinnerung, eine Gewohnheit, einen Wert, eine Person oder einen Traum, der uns stützt.“

Nennen Sie 2–3 einfache Beispiele:

  • „Meine Ressource ist der Geruch der Suppe meiner Großmutter.“

  • „Mein Lichtblick ist ein Lied, das ich singe, wenn ich mich ängstlich fühle.“

  • „Mein Anker ist mein Traum, Ärztin/Arzt zu werden.“

Halten Sie es kurz und konkret.

3. Hauptübung: „Was weiß ich?“ (20–25 Min.)
Aufgabe: „Lasst uns eine Liste, eine Zeichnung oder eine Collage mit Dingen erstellen, die wir kennen – mit dem, was sich in uns echt, stabil oder stark anfühlt.“

Bieten Sie Leitfragen an (die Teilnehmer*innen wählen aus, was ihnen zusagt):

  • Was kann ich gut, das weiß ich?

  • Wer gibt mir das Gefühl, sicher oder unterstützt zu sein?

  • Was ist gleich geblieben, auch wenn sich vieles verändert hat?

  • Was hilft mir, mich ruhig oder hoffnungsvoll zu fühlen?

  • Welchem Teil von mir vertraue ich?

Die Teilnehmer*innen wählen ihr Format:

  • Eine schriftliche Liste („Dinge, die ich weiß“)

  • Eine Zeichnung oder ein symbolisches Bild (Baum, Haus, Karte, Anker)

Ermutigen Sie zu Metaphern, nicht zu Perfektion. Das Schreiben kann in jeder Sprache erfolgen.

4. Reflexion durch Geschichtenerzählen (20–25 Min.)
Bitten Sie die Teilnehmer*innen, eine Ressource auszuwählen und daraus eine kurze Geschichte oder Reflexion zu verfassen.

Anregungen:

  • Wie ist diese Ressource für dich wichtig geworden?

  • Wenn es eine Person wäre, was würde sie zu dir sagen?

  • Wenn es ein Symbol wäre, wie würde es dich beschützen?

Anregungen für Geschichten:

  • „Als sich alles unsicher anfühlte, hielt ich fest an …“

  • „Als ich mich verloren fühlte, erinnerte ich mich an …“

Die Teilnehmer*innen können schreiben, zeichnen oder beides kombinieren.

5. Austauschrunde (optional, 10–15 Min.)
Laden Sie die Teilnehmer*innen ein, freiwillig etwas mitzuteilen:

  • Ein Satz oder ein Bild

  • Nur den Namen einer Ressource

  • Oder das anonyme Aushängen der Arbeiten an der Wand

Erkennen Sie die Vielfalt an:

„Wir alle haben unterschiedliche Anker – und jeder einzelne ist wichtig.“

6. Abschluss & Integration (5–10 Min.)
Reflexionsfragen:

  • Was hast du heute über dich selbst entdeckt?

  • Wie hat es sich angefühlt, dich auf etwas Stabiles in dir zu konzentrieren?

  • Was möchtest du von dieser Sitzung in Erinnerung behalten?

Optionales Abschlussritual: gemeinsam tief durchatmen oder einen Moment der Stille genießen.


Erwartete Ergebnisse (für die Teilnehmer*innen):

  • Gesteigertes Bewusstsein für persönliche Ressourcen und innere Stabilität

  • Gestärktes Selbstvertrauen und verbesserte emotionale Regulierung

  • Größeres Gefühl von Resilienz und Kontinuität

  • Verringerung emotionaler Überlastung durch stärkenorientierte Reflexion

Ideen zur Integration in ein Storytelling-Projekt

  • Sammeln Sie Zeichnungen/Texte in einem Zine oder einem gemeinsamen Geschichtenbuch.

  • Nehmt Audioversionen von „My Anchor Stories“ auf (bei Bedarf mit Übersetzungsunterstützung).

  • Verwandeln Sie Listen-Gedichte in eine gemeinsame Aufführung oder einen Kurzfilm.

  • Verwenden Sie Ankersymbole in einem Wandbild oder einem gemeinsamen Kunstwerk.

Hinweis zur traumainformierten Vorgehensweise:

  • Die Teilnahme und das Mitwirken sind stets freiwillig

  • Vermeiden Sie es, den Fokus auf vergangene Traumata zu legen; stellen Sie aktuelle Ressourcen und die Zukunftsorientierung in den Mittelpunkt

  • Akzeptieren Sie Schweigen und unterschiedliche Beteiligungsrhythmen

  • Bieten Sie bei Bedarf Pausen oder einen ruhigen Rückzugsort an

Anpassung (Kontext / interkulturell / Alter):

  • Geeignet für Schulen, Jugendzentren oder kommunale Einrichtungen

  • Kann auf 45 Minuten verkürzt oder durch künstlerische Aktivitäten erweitert werden

  • Funktioniert gut in mehrsprachigen Gruppen

  • Kann im Laufe der Zeit wiederholt werden, um zu beobachten, wie sich „Anker“ verändern

Empfehlungen für Moderierende:

  • Vermitteln Sie Ruhe und Offenheit

  • Halten Sie Erklärungen einfach und konkret

  • Interpretieren Sie die Geschichten der Teilnehmer*innen nicht – hören Sie zu und nehmen Sie sie wahr

  • Stellen Sie emotionale Sicherheit über Produktivität

  • Beenden Sie die Sitzung mit einer Erdungs- oder bewusster Abschluss, auch wenn die Gruppe müde ist

Diese Website verwendet Cookies

Um Ihnen das beste Surferlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie Ihre Zustimmung widerrufen, indem Sie die Einstellungen in Ihrem Browser ändern.