Kunst des Friedens, Kunstwerk
Thema: Werte
Emotionale Intensität: Hoch
Format: Erweiterter Workshop
Quelle / Autor: Adaptiert aus traumainformierter Gemeinschaftskunst, Methoden der Friedensförderung und kreativen Heilungspraktiken für vertriebene Jugendliche.
Thema
Werte
Ebenfalls relevant für
Resilienz · Gemeinschaft & Inklusion · Psychische Gesundheit · Friedensförderung · Traumainformierte Jugendarbeit
Ziel (Lernschwerpunkt)
Junge Menschen, die von Krieg betroffen sind, dabei zu unterstützen, Werte des Friedens, der Würde und des Zusammenlebens durch traumainformierte, kunstbasierte gemeinschaftliche Praktiken zu erkunden und zu verkörpern und dabei Resilienz, gegenseitiges Verständnis und ein Gefühl gemeinsamer Verantwortung für das Gemeinschaftsleben zu stärken.
Zielgruppe
Junge Erwachsene (18–35)
(kann mit Vereinfachungen und kürzeren Abschnitten für Jugendliche von 14–18 Jahren angepasst werden)
Gruppengröße
12–24 Teilnehmende. Arbeit in kleinen gemischten Gruppen von 4–6 Personen
Dauer
140–180 Minuten
Benötigte Materialien
Bequemer Raum mit Bereichen zum Sitzen, für Bewegung und Kleingruppenarbeit
Stühle, Wasser, Snacks
Ruhiger Rückzugsraum für Pausen
Ton
Natürliche Gegenstände (Steine, Blätter, Muscheln)
Leinwand oder großes Papier (A1 / 30×40 cm)
Filzstifte, Wasserfarben, Pinsel
Collagenmaterialien, Zeitschriften, Scheren, Kleber
Sandkästen mit Miniaturfiguren (Menschen, Tiere, Häuser, Bäume, Natursymbole)
Schals, Bänder
Freie Fläche
Sanfte Instrumente (Glocken, Rasseln, Holzschlaginstrumente)
Lautsprecher für sehr neutrale Hintergrundmusik (nur mit Zustimmung der Gruppe)
Haftnotizen
Tagebücher, Buntstifte
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Eröffnung & Orientierung: Warum Kunst, warum Frieden (20–25 Min.)
Die moderierende Person erklärt den Zweck des Workshops in einfacher, erdender Sprache:
„Wir sind nicht hier, um ‚schöne Kunst‘ zu schaffen oder ausführlich über schmerzhafte Erfahrungen zu sprechen.
Wir sind hier, um Frieden, Stärke und Würde durch Bilder, Bewegung und Symbole zu erkunden – denn Kunst hilft uns, Dinge auszudrücken, die sich schwer in Worte fassen lassen.“
Die zentralen Prinzipien werden klar benannt:
Die Teilnahme ist freiwillig
Das Teilen von Erfahrungen ist optional
Die Tiefe des Geteilten ist eine persönliche Wahl
Schweigen ist erlaubt
Der Wert liegt in der Bedeutung, nicht in der Fähigkeit oder Ästhetik
Kurze Check-in-Runde (Name + ein Wort dazu, wie es mir jetzt geht). Vorschlag: Verwenden Sie Emotionskarten oder das Feeling Wheeling.
2. Kreatives Aufwärmen: Ton als Erdung (15 Min.)
Jede teilnehmende Person erhält ein Stück Ton. Anweisung (langsam gesprochen):
„Rolle ihn, drücke ihn, ziehe ihn auseinander. Nimm seine Temperatur und Beschaffenheit wahr.
Du musst nichts Bestimmtes daraus machen. Dieser Ton steht für deine Stärke – etwas, das du formen kannst, das aber nicht verschwindet.“
Regeln:
Keine Erklärung erforderlich
Schweigen ist willkommen
Die moderierende Person beobachtet den emotionalen Zustand der Gruppe
Zweck: körperliche Regulation, Sicherheit, Ankommen.
3. Sandkasten: Sichere Räume & Bilder des Friedens (25 Min.)
Die Teilnehmenden gestalten mithilfe von Sand und Figuren einen symbolischen sicheren Raum.
Vorgeschlagene Anregungen (eine auswählen):
„Gestalte einen Ort, an dem du dich sicher fühlst.“
„Gestalte einen friedlichen Ort, von dem du dir wünschst, dass es ihn gäbe.“
„Gestalte eine zukünftige Gemeinschaft, in der Menschen in Würde leben.“
Regeln:
Keine Interpretation der Arbeiten anderer
Kein Druck, etwas zu erklären
Emotionale Reaktionen sind ohne Kommentare erlaubt
Kurzer Moment des Bezeugens: Die Teilnehmenden gehen schweigend umher und nehmen wahr.
4. Bewegung ohne Worte: Geschichten der Stärke (20 Min.)
Mit Schals oder Bändern drücken die Teilnehmenden Bewegung ohne Erzählung aus.
Sorgfältig formulierte Anregungen (ressourcenorientiert):
„Zeige mit Bewegung, wie du dich schützt.“
„Zeige, wie du dein Gleichgewicht wiederfindest.“
„Zeige einen Übergang von Anspannung zu Ruhe.“
Vermeiden Sie Anregungen, die Kriegsereignisse oder Wege wortwörtlich nachstellen.
Regeln:
Bewegungen können klein oder im Sitzen ausgeführt werden
Keine Darbietung, keine Bewertung durch das Publikum
5. Gemeinschaftliche Kunststationen: Frieden in vielen Formen (40 Min.)
Die Teilnehmenden wechseln zwischen 2–3 Stationen (nicht alle sind verpflichtend).
Station A – Aquarell-Emotionen „Verwende Farben, um zu zeigen, wie sich Frieden in deinem Körper anfühlt.“
Station B – Foto-Storytelling „Erstelle 3–5 Bilder, die eine Geschichte der Hoffnung oder des Wiederaufbaus erzählen.“ (Keine Bilder von Zerstörung oder Gewalt.)
Station C – Gemeinschaftliche Poesiewand. Vervollständigt die Sätze:
„Frieden fühlt sich an wie …“
„Frieden braucht …“
„Frieden beginnt, wenn …“
Sprachen können gemischt werden.
6. Klangkreis: Sanfte gemeinschaftliche Klanglandschaft (15 Min.)
Die moderierende Person setzt eine klare Grenze:
„Klänge sollten Ruhe und Verbindung unterstützen.
Keine lauten, scharfen oder schweren Klänge.
Auch Schweigen ist ein Beitrag.“
Sichere Anregungen:
„Füge einen Klang hinzu, der sich beruhigend anfühlt.“
„Füge einen Klang hinzu, der sich wie Fürsorge oder Hoffnung anfühlt.“
Zweck: Regulation, Einstimmung, gemeinschaftlicher Rhythmus.
7. Lebende Skulpturen: Werte in Handlung umsetzen (15 Min.)
Kleingruppen schaffen menschliche Skulpturen, die realistische Handlungen darstellen:
Gegenseitige Unterstützung
Kultureller Austausch
Kleine Gemeinschaftsinitiativen
Fokus: Was können wir gemeinsam tun, nicht was kann repariert werden.
8. Reflexions- & Integrationskreis (30 Min.)
Dieser Block wurde absichtlich hinzugefügt.
Leitfragen („Warum“ vermeiden):
„Was hast du an dir selbst wahrgenommen?“
„Was hat dir ein Gefühl von Ruhe oder Stärke gegeben?“
„Welche Erkenntnis von heute kann dich in dieser Woche unterstützen?“
Die Teilnehmenden können mündlich, mit einer Geste oder durch das Ablegen eines Gegenstands in der Mitte antworten.
9. Abschlussritual: Verpflichtung & Ausstieg aus der Rolle (10 Min.)
Die Teilnehmenden legen einen geschaffenen Gegenstand in die Mitte.
Anregung:
„Zeige eine kleine Verpflichtung zum Frieden – mit einem Wort, einer Bewegung oder einem Symbol.“
Mit Erdung abschließen:
Füße auf dem Boden
Langsames Atmen
Orientierung im Raum
Erwartete Ergebnisse (für die Teilnehmer*innen):
– Gesteigertes Gefühl von Würde, Handlungsfähigkeit und innerer Stabilität
– Gestärkte Resilienz durch körperlichen und symbolischen Ausdruck
– Tieferes Verständnis von Frieden als gelebtem Wert
– Verbesserte Verbindung und verbessertes Vertrauen zwischen Kulturen
Hinweis zur traumainformierten Vorgehensweise:
– Wahlmöglichkeiten und Kontrolle werden in jeder Phase betont
– Das Erzählen traumatischer Ereignisse ist nicht erforderlich
– Kunst und Metaphern schaffen eine sichere Distanz
– Der Ausstieg aus der Rolle und die Erdung sind am Ende verpflichtend
– Eine Unterstützungsperson und ein ruhiger Raum sollten verfügbar sein
– Von Aufzeichnungen oder Filmaufnahmen wird abgeraten, insbesondere bei Gruppen, die zum ersten Mal zusammenkommen.
Anpassung (Kontext / interkulturell / Alter):
– Für jüngere Gruppen: weniger Stationen, mehr haptische Arbeit
– Für mehrsprachige Gruppen: visuelle Anweisungen und Demonstrationen
– Für kürzere Sitzungen: nur 2–3 zentrale Kunstelemente auswählen
– Für fortlaufende Programme: zu langfristigen gemeinschaftlichen Kunstprojekten ausbauen
Empfehlungen für Moderierende:
– Erklären Sie, warum Kunst eingesetzt wird (Regulation, nicht Schönheit)
– Vermeiden Sie Fragen wie „Warum hast du …?“
– Beobachten Sie die Intensität von Klang und Bewegung
– Dokumentieren Sie nicht ohne ausdrückliche Zustimmung
– Konzentrieren Sie sich auf den Prozess, nicht auf das Produkt
– Geben Sie nach jeder Übung Raum zur Reflexion