Zum Inhalt springen

Kreis der Erfahrungen (Коло досвідів)

Thema: Resilienz

Emotionale Intensität: Hoch

Format: Erweiterter Workshop

Quelle / Autor: Konzept entwickelt von Yuliia Sinkevych (Ukraine) im Rahmen des Programms „Storytelling Rooms“. Adaptiert von Anastasia Netrebytska mit einem traumainformierten, jugendzentrierten Ansatz.


Thema

Resilienz

Ebenfalls relevant für

Psychische Gesundheit • Gemeinschaft & Inklusion • Traumainformierte Jugendarbeit • Dialog nach Konflikten

Ziel (Lernschwerpunkt)

Schaffung eines sicheren, trauma sensible gestalteten Raums, in dem von Krieg betroffene junge Menschen ihre Lebenserfahrungen reflektieren, ihre Resilienz stärken und sich gesehen und unterstützt fühlen können – ohne den Druck, detaillierte persönliche Geschichten preisgeben zu müssen.

Der Workshop legt den Schwerpunkt auf Präsenz, Würde, Reflexion und kollektive Unterstützung und nicht auf das Erzählen von Geschichten zu Dokumentationszwecken.

Zielgruppe

Junge Erwachsene (18–35)
Vor allem junge Menschen, die von Krieg, Vertreibung, Verlust oder anhaltender Unsicherheit betroffen sind.

Gruppengröße

8–15 Teilnehmer*innen (empfohlen)
Maximal 18 bei zwei Moderator*innen.

Dauer

2–2,5 Stunden

Benötigte Materialien

  • Stühle im Kreis angeordnet

  • Flipchart oder großes Papier + Stifte

  • Assoziationskarten (z. B. Dixit, Open Dialogues for Peace)

  • Kleine symbolische Gegenstände oder Bilder

  • Wasser und kleine Snacks

  • Optionale Elemente zur Erdung (sanfte Musik, Kerzen, Sinnesobjekt)


Schritt-für-Schritt-Anleitung:

1. Eröffnungskreis & Einführung (30 Min.)

Die/der Moderator*in stellt den Zweck des Workshops vor und stellt ihn als einen Raum der Reflexion und Unterstützung dar. Die Teilnehmer*innen stellen sich anhand der Metapher des „Baums der Identität“ vor (kurz, freiwillig):

  • Wurzeln – Herkunft / Kultur

  • Stamm – Erfahrungen / Fähigkeiten

  • Äste – Träume

  • Blätter – Menschen, die einen unterstützen

  • Stürme – Herausforderungen (ohne Details)

Betonen Sie: Es ist immer eine individuelle Entscheidung, wie tief man sich einbringen möchte.

2. Sicherheit und Vereinbarungen festlegen (15–20 Min.)

Gemeinsame Erarbeitung von Gruppenvereinbarungen:

  • Recht jederzeit auszusteigen

  • Vertraulichkeit

  • Keine Ratschläge oder Analysen

  • Respekt vor Stille und Emotionen

Zur Klarstellung:

„Von niemandem wird erwartet, seine/ihre eigene Geschichte zu erzählen. Präsenz und Zuhören sind bereits eine Form der Teilnahme.“

3. Einstieg in das Thema (15 Min.)

Die Teilnehmer*innen wählen eine Assoziationskarte oder ein Bild aus.

Anregung:

  • „Was in diesem Bild oder Wort spiegelt wider, wie du dich heute fühlst?“

Kurzer Austausch, jeweils einer nach dem anderen. Währendessen kommentieren die anderen nicht.

4. Reflexionskreis (45–60 Min.)

Kernstück des Workshops. Die Teilnehmer*innen sprechen (oder lassen eine Frage aus) über:

  • Gefühle, Metaphern, Erkenntnisse

  • was das Erleben des Krieges in ihnen verändert hat

  • was ihnen hilft, verbunden, geerdet oder hoffnungsvoll zu bleiben

Keine detaillierten Schilderungen von Ereignissen. Die anderen hören schweigend zu.

Rolle des/der Moderator*in:

  • das Tempo vorgeben

  • Pausen als normal anerkennen

  • sanft vom anschaulichen Erzählen zum Sinn überleiten

5. Umdeutung durch Symbole (20 Min.)

Die Teilnehmer*innen wählen ein Bild oder einen Gegenstand aus, der Folgendes repräsentiert:

  • Stärke

  • Unterstützung

  • Ausgeglichenheit

  • Würde

  • Hoffnung

Jede*r Teilnehmer*innen kann sagen:

„Ich wähle das, weil …“

6. Abschließende Reflexion & Erdung (20 Min.)

Leitfragen zur Reflexion (wählen Sie 2–3 aus):

  • Was nehme ich aus diesem Kreis mit?

  • Was hat mir heute geholfen?

  • Was wird mir helfen, nach dieser Sitzung ausgeglichen zu bleiben?

Beenden Sie die Sitzung mit einer Erdungsübung:

  • Atmung

  • Körperwahrnehmung

  • sensorische Orientierung im Raum

Stellen Sie sicher, dass die Teilnehmer*innen emotional ausgeglichen nach Hause gehen.


Erwartete Ergebnisse (für die Teilnehmer*innen):

  • Gesteigertes Gefühl von Würde, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit

  • Gestärkte Empathie und Vertrauen innerhalb der Gruppe

  • Abbau emotionaler Spannungen durch gemeinsame Reflexion

  • Größere Fähigkeit, persönliche Erfahrungen ausgewogen und sinnvoll zu verarbeiten

  • Das Gefühl, mit der eigenen Geschichte weniger allein zu sein

Hinweis zur traumainformierten Vorgehensweise:

  • Kein Druck, persönliche oder traumatische Details preiszugeben

  • Schweigen ist eine gültige Form der Teilnahme

  • „Warum“-Fragen vermeiden; den Fokus auf „Was“, „Wie“ und „Was hilft“ legen

  • Dieser Workshop dient nicht der Sammlung oder Dokumentation von Geschichten

Hinweis zur psychologischen Sicherheit:
Sorgen Sie für psychologische Unterstützung vor Ort oder stellen Sie klare Kontaktdaten für eine qualifizierte Fachkraft für psychische Gesundheit bereit. Die Teilnehmer*innen sollten wissen, dass Unterstützung verfügbar ist, falls sie von ihren Emotionen überwältigt werden.

Anpassung (Kontext / interkulturell / Alter):

  • Geeignet für gemischte Gruppen (Binnenvertriebene, Freiwillige, Aktivist*innen, Veteran*innen)

  • Kann leicht gekürzt werden, jedoch nicht unter 2 Stunden

  • Nicht empfohlen für Minderjährige ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen

  • Vermeiden Sie während des Prozesses das Aufzeichnen, Filmen oder Notieren

Empfehlungen für Moderierende:

  • Fortgeschrittene Moderationsfähigkeiten und traumainformierte Kompetenz erforderlich

  • Neutralität wahren; die Äußerungen der Teilnehmer*innen nicht interpretieren oder umdeuten

  • Lassen Sie Stille und ein langsames Tempo zu

  • Beenden Sie die Sitzung stets mit einer Erdungsübung und einer zukunftsorientierten Reflexion

  • Legen Sie vor Beginn einen klaren Unterstützungsplan fest

Diese Website verwendet Cookies

Um Ihnen das beste Surferlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie Ihre Zustimmung widerrufen, indem Sie die Einstellungen in Ihrem Browser ändern.