Kultureller Brückenbau
Thema: Werte
Emotionale Intensität: Mittel
Format: Erweiterter Workshop
Quelle / Autor: Adaptiert aus Methoden des kooperativen Lernens, des interkulturellen Dialogs und der Friedensförderung in der Jugendarbeit.
Thema
Werte
Ebenfalls relevant für
Gemeinschaft & Inklusion · Resilienz · Wahrnehmungen / Stereotype · Friedensförderung · Psychische Gesundheit
Ziel (Lernschwerpunkt)
Gegenseitiges Verständnis, Würde und Solidarität unter jungen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und Migrationshintergründen zu fördern, indem gemeinsame und unterschiedliche Lebenserfahrungen, Werte und Ressourcen erkundet werden – ohne erzwungene Migration als „Erfolg“ darzustellen oder persönliches Erzählen zu verlangen.
Zielgruppe
Junge Erwachsene (18–35), (kann für Jugendliche von 14–18 Jahren angepasst werden)
Gruppengröße
12–30 Teilnehmer*innen. Gemischte Gruppen von 4–6 Personen
Dauer
90–120 Minuten
Benötigte Materialien
Große Papierbögen / Flipcharts
Farbige Filzstifte, Stifte, Haftnotizen
Tische für die Gruppenarbeit
Timer
Optional: Zeitschriften, Scheren, Kleber (für visuelle Elemente)
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Eröffnungskreis & Rahmung (20 Min.)
Die moderierende Person erklärt, warum es diesen Workshop gibt:
„Wir sind nicht hier, um Schmerz zu vergleichen oder zu messen, wer es schwerer hatte.
Wir sind hier, um zu verstehen, wie unterschiedliche Leben, Kulturen und Geschichten aufeinandertreffen – und wie wir uns heute gegenseitig unterstützen können.“
Zentrale Vereinbarungen:
Die Teilnahme ist freiwillig
Von niemandem wird erwartet, persönliche Traumata zu teilen
Wir sprechen aus der „Ich“-Perspektive
Keine Stereotypisierung oder Verallgemeinerungen
Kurzer Check-in: Name + ein Wert, der sich heute wichtig anfühlt.
2. Bildung vielfältiger Gruppen (5 Min.)
Die Teilnehmer*innen werden bewusst in gemischte Gruppen eingeteilt
(Kultur, Sprache, Geschlecht, Erfahrung).
Jede Gruppe wählt einfache Rollen:
Zeitwächter*in
Protokollführer*in
Fürsorgeperson (beobachtet die Gruppendynamik) – bei Konflikten auf den Abschnitt zum sicheren Raum verweisen
3. Gemeinsame Zeitleiste (Kernblock): Leben, Kultur, Bewegung (30 Min.)
Jede Gruppe erstellt auf großem Papier eine gemeinsame Zeitleiste. Die Teilnehmer*innen werden eingeladen, ein Element hinzuzufügen, wobei sie aus folgenden Anregungen wählen:
Eine kulturelle Tradition oder ein Wert
Ein Moment der Veränderung oder des Übergangs
Ein Ort, der sie geprägt hat
Ein Moment des Verlusts, der Fürsorge oder der Resilienz (keine Details erforderlich)
Regeln:
Ein Element pro Anregung
Nur kurze Erklärungen
Keine Fragen oder Korrekturen anderer
Zuhören > Diskutieren
Reflexion innerhalb der Gruppen:
Was fühlt sich in unseren Geschichten gemeinsam an?
Wo gibt es Unterschiede, die aber ebenso wichtig sind?
Welche Werte treten immer wieder auf?
4. Galerierundgang & Mustererkennung (15 Min.)
Die Gruppen gehen umher und betrachten die Zeitleisten der anderen.
Die Teilnehmer*innen platzieren Haftnotizen:
„Das spricht mich an“
„Dadurch habe ich etwas Neues gelernt“
Noch keine Diskussion – nur wahrnehmen.
5. Kollektive Sinnstiftung (15–30 Min.)
Die moderierende Person leitet eine Reflexion mit der gesamten Gruppe:
Welche Muster sehen wir in den Zeitleisten?
Wo bestehen Schmerz und Stärke nebeneinander?
Welche Werte scheinen uns trotz unserer Unterschiede zu verbinden?
Dies ersetzt den Block „Erfolgsgeschichten“.
6. Kartierung kultureller Brücken (15 Min.)
Zurück in den Gruppen beantworten die Teilnehmer*innen:
„Mit dem Wissen, das wir jetzt haben – wie können Menschen wie wir füreinander unterstützende Brücken sein?“
Sie erstellen eine einfache visuelle Karte mit Post-its:
Handlungen
Haltungen
Kleine Praktiken der Fürsorge
Kleine Praktiken der Inklusion
Fügen Sie mindestens ein Post-it pro Karte hinzu
7. Gemeinsame Aktionsplanung (10 Min.)
Die Gruppen schlagen eine realistische gemeinsame Handlung vor, z. B.:
Interkulturelles Tandemsystem
Dialogkreis
Gemeinsame kulturelle Veranstaltung
Kreative Gemeinschaftswand
Kein Druck, „die Welt zu retten“.
8. Abschlussreflexion & Ausstieg aus der Rolle (10 Min.)
Jede Teilnehmer*in vervollständigt den Satz (mündlich oder auf Papier):
„Eine Sache, die ich mitnehmen werde, ist …“
„Ein Wert, den ich stärker praktizieren möchte, ist …“
Wenn weitere Erdung erforderlich ist, können Sie alle einladen, aufzustehen und sanft ihre Hände, Arme und Beine auszuschütteln und dabei verbleibende Anspannung oder Emotionen loszulassen. Ermutigen Sie sie, dabei einige tiefe Atemzüge zu nehmen und sich zu erlauben, die Intensität der Übung loszulassen.
Erwartete Ergebnisse (für die Teilnehmer*innen):
– Gesteigertes interkulturelles Verständnis ohne Vergleich oder Hierarchie
– Verringerte Stereotypisierung durch gemeinsame Sinnstiftung
– Stärkeres Gefühl von Würde, Zugehörigkeit und gegenseitigem Respekt
– Praktische Ideen für inklusives gemeinschaftliches Handeln
Hinweis zur traumainformierten Vorgehensweise:
– Keine Darstellung erzwungener Migration als „Erfolg“
– Keine Verpflichtung, persönliche oder traumatische Geschichten zu teilen
– Fokus auf Werte, nicht auf Biografien
– Klare Grenzen und das Recht, in jeder Phase auszusetzen
Anpassung (Kontext / interkulturell / Alter):
– Für jüngere Gruppen: weniger Elemente der Zeitleiste, mehr visuelle Arbeit
– Für sensible Kontexte: Fokus auf Werte und Orte statt auf Ereignisse
– Online: gemeinsame digitale Whiteboards verwenden (Miro / Jamboard)
Empfehlungen für Moderierende:
– Machtdynamiken in gemischten Gruppen beobachten
– Ruhigere Stimmen aktiv einbeziehen
– Spannungen behutsam als Lernmoment aufgreifen
– Die Struktur klar halten – Sicherheit entsteht durch Klarheit