Planung von Lernprozessen: Vom Kontext zur Übung
Dieses Toolkit bietet eine breite Auswahl an Übungen und Formaten für die Arbeit mit jungen Menschen in sensiblen gesellschaftlichen Kontexten. Ihnen allen liegt jedoch ein zentrales Prinzip zugrunde: Keine Übung existiert isoliert.
Wirkung, Sicherheit und Relevanz einer Aktivität hängen nicht von der Übung selbst ab, sondern davon, wie, wann und für wen sie eingesetzt wird.
Aus diesem Grund betont das Toolkit, dass Planung und Vorbereitung ebenso wichtig sind wie die Aktivitäten selbst – insbesondere in Kontexten, die von Krieg, Vertreibung, Verlust, Identität, Polarisierung oder Ungleichheit geprägt sind.
Warum wir nicht mit einer Übung beginnen
Ein verbreiteter Ansatz in Bildungs- und Trainingskontexten besteht darin, mit der Frage zu beginnen:
„Welche Übung sollte ich einsetzen?“
In sensiblen Kontexten kann dieser Ansatz wirkungslos oder sogar schädlich sein. Dieselbe Übung kann:
auf eine Gruppe unterstützend wirken,
bei einer anderen Widerstand auslösen,
oder Verletzlichkeit aktivieren, für deren Verarbeitung die Gruppe noch nicht bereit ist.
Daher folgt dieses Toolkit einer umgekehrten Planungslogik, bei der Übungen erst ausgewählt werden, nachdem der breitere Kontext und der Zweck klar verstanden wurden.
Ein Kernprinzip dieses Toolkits
Beginnen Sie mit Kontext, Bedürfnissen und Zweck. Wählen Sie dann Methoden. Wählen Sie erst danach Übungen aus. Dieser Ansatz trägt dazu bei:
Das Risiko von Schaden zu verringern
Relevanz und Wirkung zu erhöhen
Lernprozesse zu schaffen, die Würde, Handlungsfähigkeit und Wohlbefinden fördern, statt Erschöpfung oder Überlastung zu verursachen.