Rückwärtsplanung in der Jugendarbeit
Rückwärtsplanung bedeutet, dass Methoden und Übungen zuletzt und nicht zuerst ausgewählt werden.
Eine Übung kann:
als Kernaktivität dienen,
ein unterstützendes Element sein,
oder – abhängig vom Kontext – völlig ungeeignet sein.
Der Planungsprozess umfasst die folgenden Schritte:
Kontextanalyse
Vor der Gestaltung einer Sitzung werden Moderator*innen ermutigt, Folgendes zu untersuchen:
den sozialen, politischen und emotionalen Kontext, in dem die Teilnehmer*innen leben;
ob die Gruppe gelebte Erfahrungen mit Trauma, Verlust, Vertreibung oder Diskriminierung hat;
welche Themen derzeit Ressourcen aktivieren können und welche sensibel oder auslösend sein können;
den Rahmen, in dem die Aktivität stattfinden wird (Schule, Gemeinschaftsraum, online, Unterkunft usw.).
Der Kontext definiert die Grenzen dessen, was möglich und angemessen ist.
Analyse der Zielgruppe
Der nächste Schritt besteht darin, die Gruppe selbst zu verstehen:
Alter und Lebensphase;
Vertrauensniveau innerhalb der Gruppe;
vorherige Erfahrungen mit ähnlichen Prozessen;
Motivationen, Erwartungen und Ängste;
kulturelle, sprachliche und soziale Hintergründe.
Keine Gruppe ist ein unbeschriebenes Blatt – Teilnehmer*innen bringen immer gelebte Erfahrungen mit.
Zweck und Grenzen definieren
Auf Grundlage der Analyse definieren Moderator*innen:
den Zweck des Prozesses – ausgedrückt als angestrebte Veränderungen oder Lernergebnisse, nicht als Thema;
die Grenzen – was dieser Prozess nicht ist (z. B. Therapie, Beichte, Debatte, Dokumentation).
Klare Grenzen erhöhen die psychologische Sicherheit und Orientierung.
Auswahl von Format, Methoden und Übungen
Erst nachdem diese Schritte abgeschlossen sind, wählen Moderator*innen:
das Format (Diskussion, Workshop, kunstbasierter Prozess, Reflexionskreis);
die Methoden;
die konkreten Übungen.