Liebe Ungewissheit (oder: Ein Brief in Form einer Metapher)
Thema: Schule und Arbeit
Emotionale Intensität: Mittel
Format: Kernübung
Quelle / Autor: Entwickelt von der Novapolis Association
Thema
Schule und Arbeit
Ebenfalls relevant für
Emotionales Wohlbefinden, Identität, Resilienz, Geschichtenerzählen
Ziel (Lernschwerpunkt)
Jugendliche dabei zu unterstützen, persönliche Erfahrungen im Zusammenhang mit Schule, Arbeit und Lebensübergängen durch metaphorisches Geschichtenerzählen zu erkunden und auszudrücken, und dabei ihre Handlungsfähigkeit, ihr Selbstbewusstsein und ihre emotionale Selbstfürsorge zu stärken.
Zielgruppe
Jugendliche (15–18) / Junge Erwachsene (18–35)
Gruppengröße
6–20 Teilnehmer*innen
Dauer
45–60 Minuten
Benötigte Materialien
Papier oder Notizbücher
Stifte / Filzstifte
Haftnotizen oder Karteikarten
Flipchart oder Wandfläche
Optional: ruhige Hintergrundmusik
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Metaphern-Aufwärmübung (10–15 Min.)
Bitten Sie die Teilnehmer*innen, neutrale oder alltägliche Konzepte mithilfe von Metaphern zu beschreiben (z. B. „Die Schule fühlt sich an wie …“, „Etwas Neues zu lernen ist wie …“). Für einige Personen kann es hilfreich sein, 2–3 zusätzliche Beispiele zu nennen, insbesondere für Teilnehmer*innen, die mit metaphorischem Denken weniger vertraut sind.
Ziel: Die Vorstellungskraft sanft anregen, ohne emotionalen Druck auszuüben.
2. Auswahl des Schwerpunkts (5 Min.)
Erklären Sie, dass die Teilnehmer*innen selbst wählen, womit sie arbeiten möchten.
Bieten Sie Beispiele an (Unsicherheit, Veränderung, Druck, Hoffnung, Erwartungen), betonen Sie jedoch, dass sie jedes beliebige Gefühl oder Thema wählen können.
Machen Sie deutlich: Die Teilnehmer*innen entscheiden selbst über die Tiefe, die Form und darüber, ob sie ihre Ergebnisse teilen möchten.
3. Erkundung von Metaphern (10–15 Min.)
Anregung:
„Wenn dieses Gefühl oder Thema ein Ort, ein Gegenstand, ein Tier oder ein Symbol wäre – was wäre es dann?“
Die Teilnehmer*innen schreiben oder zeichnen kurze metaphorische Antworten auf.
4. Kernübung – Brief schreiben (15–20 Min.)
Bitten Sie die Teilnehmer*innen, einen kurzen Brief an das gewählte Thema zu schreiben (z. B. „Liebe Ungewissheit“). Ermutigen Sie sie, eher Metaphern, Bilder und Emotionen als Fakten zu verwenden.
Alternative Formate sind willkommen (Stichpunkte, Zeichnungen mit Bildunterschriften, Audio-Notiz).
5. Optionales Teilen & bewusster Abschluss (10 Min.)
Laden Sie die Teilnehmer*innen ein, freiwillig einen Satz, ein Bild oder ein Wort mitzuteilen.
Beenden Sie die Übung mit einer kurzen Entspannungsphase (Dehnübungen, Benennen von Gegenständen im Raum, Atemübungen), um wieder vollständig in die Gegenwart zurückzukehren.
Erwartete Ergebnisse (für die Teilnehmer*innen):
– Verbesserte Fähigkeit, Erfahrungen durch Metaphern auszudrücken
– Stärkeres Gefühl von Handlungsfähigkeit und Entscheidungsfreiheit beim Geschichtenerzählen
– Verringerte emotionale Überlastung durch symbolische Distanz
– Verbesserte Selbstreflexion in Bezug auf Schule, Arbeit oder Übergangsphasen
Hinweis zur traumainformierten Vorgehensweise:
– Betonen Sie Wahlmöglichkeiten, Kontrolle und das Recht, etwas auszulassen
– Vermeiden Sie es, Tiefe mit Schmerz gleichzusetzen; legen Sie Wert auf Ehrlichkeit und Selbstfürsorge
– Metaphern als schützende Distanz zur direkten Schilderung von Traumata nutzen
Anpassung (Kontext / interkulturell / Alter):
Für jüngere Gruppen: Leichtere Themen und mehr Zeichnen einsetzen
Für interkulturelle Gruppen: Mehrsprachige Ausdrucksmöglichkeiten zulassen
Für sensible Kontexte: Halten Sie das Teilen von Erfahrungen optional oder anonym
Empfehlungen für Moderierende:
Weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass Geschichten nicht „besser“ sind, wenn sie schmerzhafter sind
Machen Sie Einfachheit und Unbeschwertheit zur Selbstverständlichkeit
Achten Sie auf Anzeichen von Überforderung und bieten Sie Unterstützung an
Leben Sie respektvolles Zuhören und Urteilsfreiheit vor